Mach dein Arsch zu, mach dich aus meiner Leitung raus, du Birne!
 
— Karin zu einem unbekannten Anrufer.

Karin Ritter ist das Familienoberhaupt der Familie Ritter und Mutter von sechs Kindern.

Derzeit wohnt Karin in der Augustenstraße in einer Mietwohnung. Sie ist Kettenraucherin und hat derzeit eine chronische Bronchitis, möchte aber aus Angst, nicht ins Krankenhaus.

Biografie

Kindheit und Jugend

Wir waren zu Hause sechs Kinder. Der Kleine war gehbehindert. Meine Mutter ist arbeiten gegangen und ich hab auf den kleinen Junge aufgepasst, hab zu Hause sauber gemacht.
— Karin zu sternTV über ihr Elternhaus

Sie selbst habe aus ihrer Sicht eigentlich eine gute Kindheit gehabt, erinnert sich die 64-Jährige. Ihr Vater sei Lebensmittellieferant in Köthen gewesen; die Mutter hätte sich um sie und ihre fünf Geschwister gekümmert. Ihre Schwester lebe heute noch in Köthen. Ihre Brüder seien mittlerweile alle verstorben.

Meine Kindheit die war so. Wir sind freitags abgehauen und sind montags früh erst wiedergekommen. Und weil wir Party machen waren, kam die Mutter morgens rein mit 'nem Topf Wasser rein und hat das ins Gesicht gekippt. Und gesagt: 'Wer Party machen kann, der kann auch arbeiten gehen.
— Karin zu sternTV über ihre Kindheit

Beruflicher Werdegang

Karin habe als Raumpflegerin, in der Konditorei und in der Molkerei gejobbt und später, wie sie selbst sagt, habe sie kein Beruf gelernt.

Angerstraße

1994 hatte Karin sechs Kinder von drei verschiedenen Männern. Ihre Söhne zeigten schon deutliche rechtsextreme Tendenzen und waren gewalttätig.

Karin war zu der Zeit immer wieder mit extremistischen Parolen auffällig geworden und bereits wegen Volksverhetzung vorbestraft. Sie war im Grunde ihr ganzes Leben arbeitslos, lebte stets von Sozialhilfe. Schon 1994 wohnten die Ritters in einer Obdachlosenunterkunft in Köthen. Neonazis gingen bei ihnen ein und aus. Die Kinder schauten sich das Gebärden und die Parolen einfach ab, vermutete auch die Lehrerin seinerzeit.

Kurz nach dem ersten TV-Bericht kamen ihre Söhne für mehrere Jahre in verschiedene Kinderheime. Und dennoch: In der Zwischenzeit mussten sie allesamt mehrere Haftstrafen antreten.

Familienbruch

2009 war Karina Ritter, eine der beiden Töchter von Karin Ritter, so mit ihren sieben Kindern überfordert, dass das Jugendamt die Kinder endgültig von ihrer Mutter trennte und in einem Heim unterbrachte.

Augustenstraße

Weihnachten bei Familie Ritter

Im Flur ein Weihnachtsbaum, an der Tür ein "Willkommen"-Schild, auf dem Herd Kasseler-Gulasch, Rotkohl und Klöße und im Wohnzimmer ein Gabentisch – die Weihnachtsstimmung bei Familie Ritter wirkt befremdlich.

Immerhin sind ihr Sohn Norman und ihre Tochter Ivonne mit Ehemann Heinz da. Ivonne hat ein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter. Die zweite Tochter Karina, Mutter von neun Kindern, lebt in Brandenburg.

Die Stimmung kippt, als Ivonne versehentlich eine Schnapsflasche umstößt. Es folgen Geschrei, Geschimpfe und das übliche Vokabular, mit dem man bei den Ritters miteinander umgeht. Norman sei aggressiv, wenn er getrunken hat, erzählt Karin Ritter.

Er schlägt mich, wenn er betrunken ist.
— Karin über Norman

Karin Ritter erklärt, dass die Bescherung an Weihnachten dennoch "ohne betrunkene Leute" stattfinden soll. Ihre Söhne hat sie nicht eingeplant. "Das Jahr war richtig beschissen", resümiert sie, womit sie vor allem die Beziehung zu Norman, Christopher und Andy meint:.

Mit René hab ich keinen Kontakt. Mit meinem David habe ich keinen Kontakt. Und die Säufer gehen mir am Arsch vorbei. Wenn ich das gewusst hätte, dass das so schlimm wird mit Saufen, wäre ich nicht mit hergezogen.
— Karin über ihre Söhne

Trotz festlich geschmücktem Baum – Weihnachtsstimmung will im Hause Ritter in Köthen nicht recht aufkommen. Zu schwer wiegt die Vergangenheit. Die Familie ist zerrissen, die jungen Männer sind generationenübergreifend dem Kreislauf aus Gewalt, Kriminalität und Drogen nicht entkommen. Selbst ihr Enkel David sitzt eine fünfmonatige Haftstrafe ab.

Umzug in die neue Wohnung

Ortswechsel für Karin und ihre Söhne. Obwohl Karin die Wohnsituation seit Jahren selbst bemängelt, erfolgte der Umzug nur unter Protest. Doch da sie schon Probleme mit dem ersten Neger hatten stimmten sie einem Umzug schließlich doch zu.

Erst im Juni hatte sie sich mit einem Hilferuf an stern TV gewandt: Sie und ihre Enkelin Jasmin, die bei ihr in der Obdachlosenunterkunft lebt, würden von ihren Söhnen Norman und Christopher massiv bedroht. Auch gehe es mit dem Einbau der lange geforderten sanitären Einrichtungen nicht voran, weil die gewaltbereiten Brüder die Bauarbeiter bedroht haben sollen. Tatsächlich hatten die Baufirmen die beschlossene Sanierung des Objektes daraufhin abgebrochen, die Mitarbeiter hatten Angst vor Norman und Christopher. Die Polizei ist seit Jahren regelmäßig bei den Ritters im Einsatz.

Frau Ritter will allerdings schon lange nicht mehr mit ihren Söhnen zusammen leben.

Ich will nicht mehr mit denen unter einem Dach wohnen, in der Wohnung, wo wir jetzt hinsollen. Dann geht das wieder los mit der Sauferei und der Randaliererei.
— Karin über ihre Söhne

Das Haus, das für Karin, ihre Söhne und die anderen Bewohner der Obdachlosenunterkunft vorgesehen ist, liegt nur wenige Kilometer entfernt in Köthen. Erst letzte Woche hatte es dort einen Großbrand gegeben. Die Polizei schließt Brandstiftung nicht aus. Karin Ritter hatte versucht beim Amtsgericht eine einstweilige Verfügung gegen die Umsiedlung zu erwirken, doch das Gebäude wurde als bewohnbar erklärt.

Die Ritters müssen umziehen – vorübergehend. Um die Sanierung der Sanitäranlagen in der Augustenstraße setzen zu können, sollen die gewaltbereiten Brüder und Karin Ritter dort nicht leben.

Am Dienstag früh morgens stehen also sieben Polizeifahrzeuge mit 27 Polizisten bereit, um die Familie aus dem Haus zu holen. Karin Ritter will nicht gehen. "Ich bin krank", protestiert sie. Nach acht Stunden steht sie in ihrer bereits leergeräumten Wohnung.

Sie verlässt als letzte die Obdachlosenunterkunft. Immerhin: Widerstand gegen die Staatsgewalt, Körperverletzungen, Gewaltausbrüche, das hat es an diesem Tag nicht gegeben.

In Köthen regt sich derweil bereits Protest gegen den Umzug der Ritters: In unmittelbarer Nähe liegt eine Grundschule.

Frau Ritter mag die Personen vom Ordnungsamt offensichtlich nicht.

Adolf-Kolping-Straße

Ärger in der neuen Wohnung

In der neuen Nachbarschaft ist niemand erfreut über die gewaltbereite, berüchtigte Familie in der Nähe. Die Menschen haben Angst. Direkt gegenüber der neuen Unterkunft befindet sich die Köthener Regenbogenschule – eine Grundschule. Viele Eltern machen sich deswegen Sorgen. Eine Mutter weist darauf hin, dass ein großer Teil der Schüler ausländisch sei.

Aus ihren rechtsradikalen Ansichten haben die Ritters nie ein Geheimnis gemacht. Den meisten Nachbarn wäre es lieber, die Familie würde gar nicht mehr in Köthen leben.

Einbruch im Tierpark

Ihrem Sohn Christopher wird vorgeworfen, zusammen mit anderen Tätern in den Köthener Tierpark eingebrochen zu sein, Mitarbeiter bedroht und Tiere mitgenommen zu haben. Neben Kaninchen wurden Meerschweinchen und  Chinchillas gestohlen. Dazu zwei Papageien, heißt es.

Karin ist sichtlich aufgebracht. Sie sagt, Christopher habe die Tat mit einem Komplizen begangen.

Die haben die Tiere hier reingeschmissen in meine Wohnung und ich habe gesagt: Raus! Die bleiben hier drinne nicht. Drecksviecher!'
— Karin über die geklauten Tiere

Seit dem mutmaßlichen Tierpark-Einbruch ihres Sohnes bekommt Karin über Facebook und telefonisch Drohungen. Christopher selbst ist über Tage in der verwahrlosten Unterkunft nicht anzutreffen. In seine Wohnung wurde angeblich sogar eingebrochen. Sie vermutet einen Racheakt dahinter.

Und wenn ich ganz ehrlich bin: Jasmin war auch dabei, beim Tierpark!
— Karin erzählt die Wahrheit

Enkelin Jasmin Ritter, die bei der 64-Jährigen in der Obdachlosenunterkunft wohnt, soll beim zweiten Einbruch beteiligt gewesen sein. "Die Chinchillas waren in einem Rucksack", sagt sie selbst. Ihre Teilnahme sei aber nur unter der Bedingung passiert, dass niemand sie im Nachhinein "anscheißt". Bislang habe davon niemand gewusst, die Polizei also auch nicht.

Die waren zwei Mal hinternander drinne, einmal nachmittags und einmal abends.
— Karin über den Einbruch

Haustierverbot

Mit dem Zwangsumzug in die Zwischenunterkunft gab es für Familie Ritter auch ein Haustierverbot. Besonders Norman Ritter machte das damals im Herbst wütend: Er musste sein Aquarium dort zurücklassen. Das galt auch für Christophers Springmaus. Karins Enkelin Jasmin hatte sich kurz zuvor einen Hund zugelegt – und auch er musste weg. Die Ritters leben nun ohne Haustiere.

Norman im Gefängnis

Da war ein Obdachloser, und die haben eine Schlägerei angefangen. Der Norman hatte drei Mal das Nasenbein gebrochen
— Karin über die Schlägerei

Norman sitzt aktuell wegen einer Schlägerei im Gefängnis.

Da war ein Obdachloser, und die haben eine Schlägerei angefangen. Der Norman hatte drei Mal das Nasenbein gebrochen
— Karin über Normans Verletzungen

Sie erzählte noch weiter, dass Norman leider das Gericht mit 2,5 Promille betreten ist und die Richterin ihn einen Haftbefehl gegeben hat. Mit Sohn Christopher wolle sie nichts mehr zu tun haben, sagt Karin

Norman ist was anderes. Weil der die Leberzirrhose hat. Und wir wissen ja nicht, ob man den nochmal wiedersieht, wenn der jetzt so lange weg ist.
— Karin ist besorgt über ihr Sohn
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